Wandern auf dem Jakobsweg: von Köln nach Trier – 3. Teil

Sonntag, 11. Juli 2021

von Prüm nach Schönecken, 12,9 Kilometer

Heute ist ein besonderer Tag: die zwei Wochen nach meiner zweiten Corona-Impfung sind um. Ab jetzt gelte ich als vollständig geimpft und brauche keine Tests mehr! Man freut sich ja auch über Kleinigkeiten. Die mitgeführten Selbst-Schnelltests lasse ich der Jugendherberge als Spende da. Beim Frühstück finde ich meine Lunchtüte vor, die im Übernachtungspreis bei Halbpension mit drin ist und erweitere sie durch ein paar Sachen vom Buffet.

Heute scheint endlich wieder die Sonne, da läuft es sich gleich viel motivierter. Zunächst gehe ich zur Basilika, um sie mir nochmal in Ruhe anzusehen und Fotos zu machen. Ich will noch zur Touristinfo, wo ich den Pilgerstempel bekommen kann, aber bis die öffnet, dauert es noch ein wenig. Also setze ich mich an einen der Außentische eines Eiscafés und bestelle einen Latte Macchiato. Mein Pilgerführer liegt auf dem Tisch, weil ich was nachgeschaut habe. Da spricht mich ein Passant an, der den Führer und meinen großen Rucksack registriert hat. Er ist auch auf dem Jakobsweg unterwegs, bezeichnet sich aber nicht als Pilger. Ich erzähle, dass ich wegen dem Stempel noch „warten“ muss. Dazu meint er, er sei Beamter gewesen und habe für sein Leben genug Stempel gehabt, die seien ihm nicht wichtig. So unterschiedlich ist das, ich liebe Stempel! Bürokratin durch und durch. 😉 Auch er hatte Pech, seine Schuhe sind kaputt gegangen und so muss er auch zwei Nächte in Prüm verbringen, um morgen ins Schuhgeschäft zu gehen. Ich gebe ihm noch den Tipp, dass er am alten Bahnhof einen recht gut sortierten Sportladen finden kann.

Ich gehe nun in die Touristinfo, wo ich einen riesigen Stempelabdruck in meinen Pilgerpass bekomme. Nun kann es weiter gehen, aus dem Tal der Prüm (der Bach heißt genauso wie die Stadt) bergauf. Ich treffe ein niederländisches Paar, mit dem ich ein paar nette Worte wechsle. Durch Wald und dann durch Felder und Wiesen und hübsche Dörfer geht es zum Naturschutzgebiet Schönecker Schweiz. Um 12 Uhr mache ich die erste Pause und plündere einen Teil der Lunchtüte. Der Weg führt durch das Schalkenbachtal. Hier finden sich riesige Dolomitfelsen, die mitten im Wald aufragen, immer wieder Glockenblumen und andere seltene Gewächse. Das Tal ist so abgeschieden, dass man hier nicht einmal Mobilfunkempfang hat.

Das Tal öffnet sich dann recht unerwartet und schon habe ich Schönecken erreicht. Ich nehme gleich einen steilen Abzweig zur Burgruine hinauf. Das muss eine beeindruckende Anlage gewesen sein, drei der Türme wurden restauriert und vermitteln einen guten Eindruck von der Größe der Burg. Ich mache auf einer gemütlichen Bank mit Aussicht über den Ort eine zweite Pause. Auf dem Weg zurück ins Tal gehe ich noch an der kleinen St. Antonius-Kapelle vorbei, an deren Außenfassade eine Jakobusdarstellung zu sehen ist. Ich treffe eine Dame des örtlichen Kulturvereins an, die auf eine zweite wartet, die den Schlüssel zur Kapelle hat, weil sie beide dort etwas vorbereiten wollen. Sie lädt mich ein, mir die Kapelle von innen anzusehen, was ich gerne annehme. Da die zweite Dame aber länger auf sich warten lässt und die Wolken wieder dunkler werden, mache ich mich doch auf den Weg, ich muss ja auch noch meine Unterkunft organisieren. Aber ich danke sehr für das nette Angebot!

Schönecken überrascht mich mit einigen sehr hübschen Häusern und ausreichend kulinarischen Möglichkeiten. Am anderen Ende des Ortes finde ich die vorab recherchierte Unterkunft. Vorher konnte ich niemanden telefonisch erreichen, aber just als ich ankomme, fährt der Inhaber vor. So ein Zufall! Wir regeln alles auf der Straße, er gibt mir den Schlüssel und ich zahle den Preis, allerdings ohne Frühstück. Da es aber einen Bäcker in der Nähe gibt, ist das kein Problem. Als ich das Zimmer beziehe, bin ich jedoch geschockt: die Paneeldecke im Badezimmer ist über und über mit schwarzem Schimmel bedeckt! Hier kann ich auf keinen Fall bleiben. Leider erreiche in den Gastwirt nicht. Also suche ich erstmal eine Alternative, glücklicherweise gibt es eine andere Pension, die auch noch ein Zimmer frei hat. Ich schaue schon mal bei der Kirche vorbei, die aber leider verschlossen ist. Morgen neuer Versuch. Dann erreiche ich den Gastwirt doch endlich, er will mir zunächst ein anderes Zimmer anbieten, aber dort ist die Decke im Bad genauso versifft. Ich verlange mein Geld zurück, welches er auch anstandslos rausrückt. Ich empfehle ihm dringend, was gegen den Schimmel zu tun. Er redet was von Drüberstreichen. Ich bin echt enttäuscht, zumal die Bewertungen der Unterkunft eigentlich durchweg gut waren.

Also geht es nun zur anderen Unterkunft, die zwar recht altbacken eingerichtet ist, aber alles ist ordentlich und sauber. Und Frühstück ist im Preis mit drin. Ich habe sogar eine kleine Terrasse. Jetzt habe ich Hunger und gehe wieder runter in den Ort, dort gibt es ein noch recht neues deutsch-französisches Restaurant. Der Abend ist lau und sonnig, sodass man herrlich draußen sitzen kann. Ich esse sehr lecker und vor allem die Präsentation des Desserts gefällt mir.

Brasserie Am Alten Amt
Am Forum
54614 Schönecken
Infos auf eifel.info

Das Essen war sehr lecker und schön angerichtet. Der Besitzer hat selbst bedient und war sehr freundlich. Nur die Wartezeit war etwas länger als erwartet.

Zurück in der Pension setze ich mich noch auf die Terrasse und genieße die schöne Aussicht auf Felder und Wiesen.

Übernachtung:
Pensions Steevens
Schlenckerstr. 3
54614 Schönecken
Infos auf eifel.info
Preis: 33,00 €

Etwas unmodern eingerichtet, aber sauber und ordentlich. Der Gastgeber ist sehr nett und zuvorkommend. Das Frühstück wird nach Wunsch kredenzt und bietet viel Auswahl. Die Pension liegt in einem Wohngebiet etwas oberhalb vom Zentrum, es ist also sehr ruhig.

Keine Empfehlung aussprechen kann ich für folgende Unterkunft:
Vogtshof von Wettelsdorf
Website

Montag, 12. Juli 2021

von Schönecken nach Waxweiler, 17,8 Kilometer

Nach einer sehr erholsamen Nacht gibt es um acht Uhr ein reichhaltiges Frühstück, sogar mit einem richtig guten Schwarztee. Ich frage mich nur, warum ein wachsweiches Ei als Standard in der Hotellerie gilt. Aber vielleicht bin ich schlicht nicht Standard, ich mag es halt lieber hart gekocht. Nachdem bezahlt ist, kaufe ich im Ort beim Bäcker ein Brötchen für unterwegs und versuche nochmal mein Glück bei der Kirche. Schade, immernoch zu. Auch ist kein Hinweis auf eine andere Möglichkeit der Stempelerwerbung zu finden.

Bei zunächst trockenem Wetter geht es wieder durch schöne Wiesen und an Feldern vorbei. Später folgt ein Stück an einem geschotterten Weg durch ein Tal, an dessen Rand zahllose Blumen blühen und dementsprechend sehr viele Schmetterlinge unterwegs sind. Ich bin froh, dass ich die Etappe von Prüm nach Waxweiler aufgeteilt habe, denn so kann ich mir die Zeit nehmen, die filigranen Fluginsekten per Kamera zu verfolgen. Später folgt ein verwunschen wirkender Wald, in dem mich erstmals ein leises Gefühl von Einsamkeit überkommt. Mir begegnen keine anderen Wanderer oder auch nur Gassigänger. Ich unterquere die A 60 und nun wird die Landschaft wieder offener. In Lascheid entdecke ich ein Privathaus, das eine Pilgerferienwohnung anbietet. Leider weiß ich von vielen Unterkünften gar nichts, das hat allerdings auch mit meinem ziemlich veralteten Pilgerführer zu tun. Ein aktueller macht durchaus Sinn.

Wieder fängt es an zu tröpfeln. Hinter Lascheid wird gerade die Landstraße neu geteert, weshalb ich auf die Wiese ausweichen muss. Es entsteht ein lautes Knistern, als die Regentropfen auf den heißen Teer treffen und sofort verdampfen. Kurze Zeit später erreiche ich eine Schutzhütte, wo ich mein Brötchen esse. Nun ist es nicht mehr weit bis Waxweiler. Als ich aus dem Wald heraustrete, bin ich an der Marienstatue oberhalb des Städtchens. Diese erinnert mich ganz entfernt an die Marienstatue von Le Puy in der Auvergne in Frankreich, weil sie auch rot ist. Ach ja, in zwei oder drei Jahren werde ich wieder in Le Puy sein, diesmal zu Fuß. Ich habe mich für die Fortsetzung der Pilgerroute in den nächsten Jahren für den Weg über Le Puy statt über Vézelay entschieden. Keine einfache Entscheidung, beide Orte sind für mich etwas Besonderes.

Leider ist der Pilgerweg in den Ort hinunter derzeit gesperrt, ich muss einer Umleitung folgen. Es gibt entweder den direkten Weg an der Straße entlang (ohne Bürgersteig oder ähnliches) oder einen etwas längeren über schöne Wege. Da nehme ich doch letzteres. Der örtliche Wanderverein hat das alles gut organisiert und ausgeschildert. Einmal verpasse ich einen Abzweig, was ich erst recht spät bemerke. Aber andererseits habe ich auf diesem Irrweg ein Feld mit Lein entdeckt, was für mich Grund zur Freude ist. Dieses Gewächs findet man nicht allzu oft bei uns. Nach einem anstrengend steilen Abstieg erreiche ich Waxweiler. Eigentlich wollte ich hier auf den Campingplatz gehen, aber es ist wieder einmal Regen vorhergesagt, also suche ich mir eine andere Unterkunft. Im Haus des Gastes erhalte ich neben dem Pilgerstempel auch Informationen zu möglichen Unterkünften. Nach etwas hin und her bekomme ich ein Zimmer in einem Hotel direkt gegenüber der Kirche. Für morgen versuche ich in Sinspelt eine Unterkunft zu reservieren, aber dort ist schon alles ausgebucht. Also muss ich doch bis Mettendorf laufen, dort ergattere ich noch ein Zimmer, das ähnlich hochpreisig ist wie mein heutiges.

Heute haben alle Restaurants Ruhetag. Also gehe ich zum Supermarkt, um mir eine Dosensuppe zu besorgen. Als ich am Frühstücksraum des Hotels vorbei komme, sehe ich dort den Herrn von gestern Morgen, der sich in Prüm neue Schuhe kaufen musste. Ich frage nach, ob er erfolgreich war, was er bejaht. Bei ihm sitzt ein weiterer Pilger, auch für die beiden war dieses Hotel die letzte Chance einer Unterkunft.

Nach dem Abendessen brüte ich über der Wanderkarte, wie ich weitermache, denn am Etappenziel Welschbillig kann ich keine Unterkunft ausfindig machen. Außerdem sind weitere Unwetter vorhergesagt. Nun gut, ich muss mich auf mein Glück verlassen, bis jetzt habe ich immer noch was gefunden.

Übernachtung:
Hotel Haus Irsfeld
Hauptstraße 30
54649 Waxweiler
Website
Preis: 70,00 € Ü/F im Doppelzimmer zur Alleinnutzung

Ein nettes Hotel mit wie ich finde leicht überzogenen Preisen, dafür hätte ich eine „professionellere“ Einrichtung erwartet. Alles wirkte irgendwie zusammengewürfelt. Aber alles ist sauber, die Inhaber sehr nett und flexibel und das Frühstück (kein Büffet) ist auch reichhaltig.

Dienstag, 13. Juli 2021

von Waxweiler nach Mettendorf, 25,3 Kilometer

Die Kirchenglocken wecken mich um sieben Uhr. Im Frühstücksraum setzen Wanderer Peter (der mit den kaputten Schuhen), Pilger Reinhard und ich uns an einen Tisch. Reinhard scheint den Weg wirklich aus religiösen Gründen zu laufen, denn er betet vor dem Essen kurz im Stillen. Davor habe ich großen Respekt, auch wenn ich seinen Glauben nicht teilen kann. So haben wir drei völlig verschieden motivierte Wanderer am Tisch: der eine nur aus Freude, ab und zu mal allein unterwegs zu sein; die andere mit eher unklarer Motivation 😉 , zumindest aber einer sportlichen; und der religiös motivierte, der seinem Gott näher kommen möchte. Dann wird’s profan – jeder von uns hat ein Ei bekommen und diesmal frage ich nach, ob die hart gekocht sind. Ja, sind sie. Ich lasse die Herren zuerst testen, deren Eier sind so wie sie sein sollen. Als ich aber meins köpfe, ist es doch wachsweich. Zumindest beim Frühstücksei habe ich schonmal kein Glück. 😀

Wir gehen alle getrennt los. Als ich aber an einer Stelle nicht ganz sicher bin, wo ich weiterlaufen muss, holt Pilger Reinhard zu mir auf. Er navigiert per Handy und so finden wir den richtigen Weg. Jetzt sind auch wieder die Muscheln einfach zu finden. An einer Stelle ist die Markierung klar, aber sein Handy meint was anderes. Wir geraten in eine kleine Diskussion, folgen aber der Markierung. Ich merke, dass wir nicht miteinander funktionieren. Reinhard verschnauft kurz und meint, ich könne ruhig schon weiterlaufen. Wir sind uns anscheinend einig. So presche ich vor, auf den geteerten Wegen kann ich Gas geben. Heute nieselt es die ganze Zeit, sodass ich irgendwann wieder völlig durchnässt bin. In Krautscheid flüchte ich mich kurz in die Kirche und ergattere einen lilafarbenen Stempel. In Ammeldingen steht an der Infotafel an der Kirche, dass man sich den Pilgerstempel bei einem Privathaus holen kann. Das liegt direkt am Weg, also schelle ich. Ein Mann öffnet die Tür und mir schallt entgegen „Buen Camino! Bitte einmal unten zur Garage kommen.“ Tür zu. Okay. Also gehe ich zur Garage, die sich auch prompt öffnet. Herr Mayer begrüßt mich, fragt mich nach meinem woher und wohin und erzählt von seinen Pilgerbegegnungen. Er hat einen ganzen Ordner voll mit Zeitungsausschnitten über Pilgergeschichten und Karten, die ihm Pilger aus Santiago geschrieben haben, die irgendwann vorher mal bei ihm vorbeigekommen sind. Den Stempel darf ich selbst setzen. Und er hat noch eine interessante Story parat:

In Köln heißen die Kellner in den Brauhäusern „Köbes“. Dies geht wohl darauf zurück, dass sich im Mittelalter Pilger, die ihre Unterkunft nicht bezahlen konnten, als Bedienung verdingt haben und allgemein mit „Jakobus“ bzw. auf Kölsch „Köbes“ angesprochen wurden.

keine Ahnung, ob das stimmt, aber besser stark behauptet als schwach bewiesen 😉

Nach diesem netten Austausch geht es für mich weiter, es regnet wieder etwas mehr. In einem Waldstück komme ich an einem überdachten Holzstapel vorbei, wo ich mich für meine Brotzeit unterstellen kann. Noch schnell das nasse T-Shirt gegen ein trockenes Shirt wechseln, so läuft es sich schon wieder viel angenehmer. An den Feldrändern wachsen Kamille, Mohn und Kornblumen, ein wunderbarer Anblick. Heute ist Asphalt der vorherrschende Bodenbelag, über eine steile Straße geht es hinab nach Neuerburg. Die Altstadt ist sehr hübsch, aber auch ziemlich ausgestorben. Ich kehre in ein Café ein, um mich mit einem Latte Macchiato aufzuwärmen und mich mal kurz im Trockenen aufzuhalten. Dann gehe ich hinauf zur Kirche, die über dem Städtchen thront. Leider wurde der Pilgerstempel geklaut, ich finde nur noch die Kette vor, an der er befestigt war. Warum klaut jemand einen Pilgerstempel?! Ich kann das einfach nicht verstehen.

Es folgt ein anstrengender Anstieg über den Kreuzweg hinauf zu einer kleinen Kapelle im Wald. Dann geht es weiter über die Höhe mit Ausblick über die wolkenumwaberten Eifelhügel. Ein neuerlicher Abstieg ins Tal führt mich nach Sinspelt, ich komme an der Pension vorbei, in der ich leider kein Zimmer mehr bekommen konnte. Es sind noch vier Kilometer bis Mettendorf, die die schwierigsten des Tages werden, obwohl der Weg nun eben verläuft. Aber wenn man schon zwanzig hinter sich hat …

Doch irgendwann sind auch die geschafft und ich erreiche mein gebuchtes Hotel. Das Zimmer ist echt schön, wie gut, dass Sinspelt ausgebucht war! 😉 Da dem Hotel ein Restaurant angegliedert ist, kann ich hier essen. Dienstags ist „Flieten-Abend“, das heißt, es gibt Hähnchenflügel. Da das Knochen abnagen aber nicht so mein Ding ist, frage ich nach einer Alternative. Es gibt genau eine: Jägerschnitzel mit Pommes. Jepp, heute brauche ich was Ordentliches, nehme ich. Von meinem Platz aus kann ich sogar sehen (und hören), wie das Schnitzel frisch geklopft wird. Am Nachbartisch sitzt ein Paar aus den Niederlanden, die mit mir ins Gespräch kommen. Sie sind nett, nur der Mann hat einen seltsamen Humor, den ich befremdlich finde. Nach dem guten Essen sind meine Reserven wieder aufgefüllt.

Zurück im Zimmer rufe ich bei der Jugendherberge in Echternach in Luxemburg an, ob sie noch ein Zimmer für mich haben, online schien alles ausgebucht. Aber im persönlichen Gespräch erfahre ich dann, dass noch was frei ist. Sehr schön, ich möchte doch unbedingt die eine Nacht in Luxemburg verbringen! Die Alternative wäre der Campingplatz in Echternachbrück auf deutscher Seite gewesen.

Übernachtung/Restaurant:
Eifelhotel Im Fronhof
Im Fronhof 12-16
54675 Mettendorf
Website
Preis: 75,00 € Ü/F im Doppelzimmer zur Alleinnutzung

Hier habe ich den Preis als angemessen empfunden, die Zimmer sind modern und schön eingerichtet, alles ist picobello. Nur dass die Heizung nicht funktionierte war etwas nachteilig für meine nassen Klamotten. Das Frühstücksbuffet bietet eine sehr große Auswahl, das Ambiente sowohl im Restaurant als auch im rustikaleren Teil mit Theke ist sehr schön.

Mittwoch, 14. Juli 2021

von Waxweiler nach Echternach, 15,5 Kilometer (weitere 7 Kilometer per Auto)

Heute freue ich mich auf herrliche Natureindrücke auf dem Ferschweiler Plateau. Aber erstmal gibt es ein kräftigendes Frühstück, außer mir scheinen sonst nur Geschäftsreisende und Monteure hier genächtigt zu haben. Nachdem ich nebenan beim Bäcker noch mein belegtes Brötchen für mittags gekauft habe, geht es weiter. Zunächst zur Kirche von Mettendorf, wo ich wieder stempeln darf. Während ich mir die Kirche ansehe, geht eine Orgelstimmerin ihrer Tätigkeit nach.

Durch den Ort folge ich der Muschel und dann geht es wieder durch Felder leicht bergan, einmal mit einem klitzekleinen ungeplanten Umweg. Oben angekommen beginnt es zu nieseln, ab jetzt wird es heute nicht mehr aufhören zu regnen. In Nusbaum mache ich einen Abstecher zur Kirche St. Petrus. Am Ortsausgang von Nusbaumerhöhe spricht mich ein Familienvater an, in Santiago scheine jetzt bestimmt die Sonne. Ich bejahe lachend und meine, dort wäre ich jetzt ganz gerne.

Nun führt der Weg in den Wald. Leider übersehe ich hier eine Markierung und laufe falsch, was ich erst nach über einem Kilometer bemerke. Das Verlaufen und der nicht enden wollende Regen machen mich dermaßen wütend, dass ich laut in den Wald schreie. Es tut gut, den Dampf abzulassen. Nachdem ich endlich wieder auf dem rechten Weg bin, kommt auch schnell die Schutzhütte, die ich auf der Karte ausgemacht hatte. Ich esse schnell mein Brötchen. Da der Regen keine Anstalten macht, nachzulassen, gehe ich weiter.

Jetzt bin ich auf dem Ferschweiler Plateau, eigentlich müsste das der schönste Teil der ganzen Pilgerwanderung sein, aber bei Regen ohne passende Schutzkleidung kann ich das nicht so richtig genießen. Auch Fotos sind nicht möglich, die Kamera bleibt verpackt. Ich bin von oben bis unten nass, die nasse Hose überträgt die Feuchtigkeit an die Socken, die sie bereitwillig aufsaugt. Zwischendurch wringe ich die Socken aus, was aber nicht wirklich was bringt. Ab jetzt ist mir das egal, ich will nur irgendwie in Echternach ankommen. Ich lasse die „Wikingerburg“ links liegen, berühre nur einmal kurz das Fraubillenkreuz, einen alten Menhir, und renne durch den Wald. Der Weg besteht inzwischen mehr aus Pfützen als aus trockenem Weg. Niemand sonst ist hier unterwegs, nur ich Dummkopf.

Das acht Kilometer lange und vier Kilometer breite Ferschweiler Plateau besteht aus Bundsandstein und war wohl schon seit dem 3. oder 2. Jahrtausend vor Christus ein Fluchtpunkt für in der Gegend siedelnde Menschen. Durch die Jahrtausende haben verschiedene Kulturen ihre Spuren hinterlassen, die dem Plateau bis heute eine etwas mystische Aura verleihen. Die sogenannte Wikingerburg ist eigentlich eine Wallanlage aus keltischer Zeit und somit mehr als tausend Jahre vor den Normanneneinfällen entstanden. Das Fraubillenkreuz ist ein 3,5 Meter hoher Menhir, der vermutlich schon seit dem 2. Jahrtausend vor Christus hier steht. In christlicher Zeit wurde sein oberer Teil in die Form eines Kreuzes umgearbeitet.

Endlich führt der Weg hinunter, allerdings ist der Weg kaum sichtbar, da er sich in einen kleinen Bergbach verwandelt hat. Inzwischen sind mir die nassen Füße völlig gleichgültig, also wate ich durch das Wasser, das kurz darauf rechts abbiegt, sodass der Weg wieder frei ist. Es folgt ein herrlicher Weg durch Wald, der gespickt ist mit großen und kleinen Felsen. Leider kann ich das nicht genießen, die Devise lautet: laufen, um anzukommen! So lasse ich mich auch von einer Sperrung nicht beeindrucken, denn es gibt keine eindeutige Umleitung. Letztlich komme ich gut durch, die Sperrung war nur erfolgt, weil teilweise Geländer fehlten. Das Terrain ist für geübte Wanderer aber auch ohne Geländer gut zu bewältigen. Immer wieder höre ich Feuerwehr-Sirenen, wahrscheinlich müssen einige Keller leergepumpt werden bei dem vielen Regen.

Endlich habe ich den Ortsrand von Bollendorf erreicht, wo ich zuerst in die Kirche St. Michael gehe. Mein Pilgerbrief ist wider Erwarten trocken geblieben und erhält den nächsten Stempel. Bollendorf liegt am Flüsschen Sauer, die stark angeschwollen ist, das Wasser überflutet auch schon die Durchgangsstraße. An der Brücke, die nach Luxemburg rüber führt, finde ich die Touristinfo von Bollendorf, wo ich nach Sanitärräumen frage, ich möchte endlich mal aus den nassen Klamotten raus. Die nette Dame schickt mich ins Obergeschoss. Nachdem ich umgezogen bin, frage ich sie noch, wie ich am besten nach Echternach komme, denn der Weg an der Sauer entlang, den ich hätte gehen müssen, ist überflutet. Sie teilt mir mit, dass auf Luxemburger Seite eine Bushaltestelle ist, der Bus fährt direkt nach Echternach. Sie sei auch noch bis 17 Uhr hier, falls ich nochmal Hilfe bräuchte. Ich gehe also zur Haltestelle, um viertel vor fünf soll ein Bus kommen. Tut er aber nicht. Ich werde etwas nervös und gehe nochmal zur Info. Die Dame bietet mir ohne Umschweife an, mich mitzunehmen, sie könne genausogut über Echternach nach Hause fahren. Ich bin sehr dankbar für dieses Angebot! Außerdem klärt sie mich auf, dass die Jugendherberge nicht in der Altstadt ist, wie ich gedacht hatte, sondern außerhalb an einem See. Kurzerhand fährt sie mich dort sogar bis zum Parkplatz, von wo ich nur noch ein kleines Stück am See entlang muss. Ich danke ihr so sehr!! Der hiesige Bach ist ebenfalls ein reißender Fluss geworden und im Park um den See stehen große Pfützen.

Ich bin maßlos erleichtert, als ich endlich die Jugendherberge von Echternach erreiche. Ich freue mich außerdem, dass ich mal wieder Französisch sprechen darf. Im Zimmer muss ich erstmal alles aus dem Rucksack heraus holen und aufhängen. Die Regenhülle hat die Segel gestrichen, die Dauerbelastung war zuviel. Ich bin am Tiefpunkt angekommen – zum dritten Mal nass bis auf die Knochen, es reicht mir! Ich entscheide unter Tränen, die Tour abzubrechen und buche für morgen ein Ticket nach Hause, mit kostenloser Stornierungsoption.

Um 19 Uhr gibt es Abendessen, keine kulinarische Glanzleistung. Ich bin vom Standard der deutschen Jugendherbergen echt verwöhnt. Außerdem sind zwei oder drei Schulklassen anwesend, die einen Höllenlärm veranstalten. Die Betreuerinnen haben kaum eine Chance, die wilde Meute zu bändigen.

Ein letzter Blick auf die Wettervorhersage vor dem Schlafengehen zeigt, dass es wohl doch nicht weiter regnen soll …

Übernachtung:
Jugendherberge Echternach
100, rue Grégoire Schouppe
L-6479 Echternach
Website
Preis: 26,70 € Ü/F im Mehrbettzimmer zur Alleinnutzung, Abendessen extra

Hier ist im Vergleich zu deutschen Jugendherbergen alles etwas einfacher, vor allem was das Essen angeht. Dennoch ist gerade diese JH recht interessant, da sie z.B. eine Indoor-Kletterwand bietet. Kinder können sich hier richtig austoben, alles ist auf sportliche Aktivitäten ausgelegt. Im Speisesaal kann es wegen der Glasfassade und des glatten Estrichbodens sehr laut werden. Die Lage am See ist – bei gutem Wetter – klasse.

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