Wandern auf dem Jakobsweg: von Köln nach Trier – 2. Teil

Mittwoch, 7. Juli 2021

von Bad Münstereifel nach Blankenheim, 20,3 Kilometer

Nach einer erholsamen Nacht und einem kräftigenden Frühstück stürme ich den Sportladen am Marktplatz. Ich finde genau die richtigen leichten Wanderstiefel fürs Mittelgebirge und nach dazu von meiner favorisierten Marke. Perfekt! Einen Poncho bekomme ich leider wieder nicht, kein Laden hat einen mit einem Extra-Fach für einen hohen Rucksack im Sortiment. Aber eine leichtere Regenjacke wandert in den Warenkorb. Jetzt stehe ich natürlich mit zwei Paar Schuhen da. Aber das mit dem Nachhause-Schicken ist ja bereits erprobt. Die Bergsteiger-Stiefel wandern zusammen mit der alten Regenjacke in den Karton der neuen Schuhe. Ich frage die Verkäuferin, wo die nächste Post ist, um das Paket abzugeben. Sie meint, da müsste ich einmal ans andere Ende des Ortes. Sie bietet sofort an, das Paket mitzunehmen, da sie ohnehin noch andere wegbringen muss. Das ist ja nett! Ich gebe ihr das Geld für das Porto sowie meine E-Mail-Adresse, damit sie mir später die Sendungsnummer durchgeben kann. Paketscheine hat sie auch da, also fülle ich gleich einen aus. Echt super! Ich bin sehr dankbar, dass sie das für mich macht! Wieder einer dieser tollen Pilgermomente 😀

Um einiges erleichtert – in mehrfacher Hinsicht – kann es nun weitergehen. Aber halt, da fehlt noch was – Pilgerstempel. In den Kirchen werde ich nicht fündig, also klingele ich am Pfarrbüro. Und obwohl es laut Aushang schon geschlossen ist, öffnet mir eine nette Dame und bittet mich herein, nachdem ich mein Begehren geäußert habe. Sehr nett!

Um halb zwölf starte ich beschwingt und mit deutlich entspannteren Füßen die nächste Etappe. Aus dem Tal der Erft geht es steil bergauf auf die Ebenen der Eifel. Das Wetter ist perfekt, sodass die Ausblicke vollumfänglich genossen werden können. In einem sonnendurchfluteten Laubwäldchen überkommt mich spontan ein überwältigendes Glücksgefühl, das sogar ein wenig feuchte Augen macht. 🙂

Für die Mittagspause finde ich eine schöne Bank am Ortsrand von Roderath, über mir breiten sich faszinierend strukturierte Eiskristall-Wolken aus. In der kleinen Kirche im Ort darf ich wieder stempeln. Weiter geht es durch Felder und Wiesen mit einer riesigen Vielfalt bunter Blumen. Nach Unterquerung der A 1 erreiche ich die Ahekapelle. Diese liegt äußerst idyllisch in einem kleinen Tal, umgeben von Feldern und Wiesen.

Die Ahekapelle steht vermutlich auf einem römischen Vorgängerbau, der Chor stammt aus dem 13. Jahrhundert, das Schiff ist ein Jahrhundert älter. Das Bauwerk macht einen kleinen Knick. Neben einer Möglichkeit, Opferkerzen anzuzünden gibt es natürlich auch hier einen Pilgerstempel.

Nachdem ich das kleine Gotteshäuschen besichtigt und mir meinen Stempel geholt habe, lege ich mich für ein Weilchen auf die Wiese in den Schatten. Schuhe aus und ein bisschen entspannen. Hier ist es wunderbar ruhig. Dann geht es weiter, die Füße werden zwar etwas müde, aber sie schmerzen nicht mehr – der Schuhkauf war die richtige Entscheidung, auch wenn es mutig ist, mit nicht eingelaufenen Wanderschuhen eine Strecke von gut 150 Kilometern in Summe anzugehen. Der Weg führt nun wieder durch Felder und Wälder, ich entdecke Schafe mit ungewöhnlich großen, abstehenden Ohren und einen stattlichen Bullen mit seinen Kühen auf den Wiesen.

Oberhalb von Blankenheim biege ich kurz ab in das Gewerbegebiet, ich brauche für mein Hotel ein negatives Testergebnis und hier befindet sich ein Drive-In-Testzentrum. Mit dem für 48 Stunden gültigen „Persil-Schein“ geht es dann hinunter in das hübsche Fachwerkörtchen, das von einer Burg überragt wird und wo die Ahr entspringt. Mein Hotel ist leicht auffindbar und der Name ist Programm: „Schlossblick“. Von meinem sehr schön eingerichteten Einzelzimmer aus habe ich das alte Gemäuer bestens im Visier. Darin ist seit 1929 eine Jugendherberge eingerichtet. Leider hatten sie kein Zimmer mehr frei, sonst hätte ich gerne dort übernachtet.

Nachdem ich frisch gemacht bin, suche ich mir ein Lokal. Heute habe ich mächtig Hunger und so darf es ein Burger sein. Danach geht es zeitig ins Bett, ich bin platt wie ’ne Flunder.

Beros Pizzeria & Grillhouse
Rathausplatz 14
53945 Blankenheim
Facebook-Seite

Imbiss mit internationaler Küche von Döner über Schnitzel bis Burger und Pizza. Ich fand’s lecker und die Portion war ausreichend groß. Draußen sitzt man an urigen Holztischen unter Bäumen auf dem Rathausplatz, gerade im Sommer natürlich herrlich.

Übernachtung:
Hotel Schlossblick ***
Nonnenbacher Weg 4 – 6
53945 Blankenheim
Website
Preis: 60,00 € Ü/F im Einzelzimmer

Ich bin absolut begeistert von diesem Hotel! Die Zimmer sind erst vor wenigen Jahren renoviert worden und sind gemütlich, sauber und ansprechend. Mein Einzelzimmer hatte eine interessante Raumaufteilung, in der ich mich sofort wohlgefühlt habe. Das Frühstück bietet eine sehr große Auswahl und berücksichtigt auch vegan lebende Hotelgäste. Man kann als Wanderer ein Lunchpaket vom Buffet mitnehmen (gegen geringen Aufpreis). Das Hotel ist ein ausgewiesener Wandergastgeber sowie ein „Bett and Bike“-Betrieb des ADFC.

Donnerstag, 8. Juli 2021

von Blankenheim nach Kronenburg, 24 Kilometer

In diesem Hotelbett habe ich traumhaft geschlafen, genauso gut wie zuhause! Das Frühstücksbuffet ist super, vor allem die vielen Teesorten gefallen mir. Außerdem packe ich meine kleine Lunchbox voll. Beim Bezahlen erwähne ich kurz, dass ich jetzt noch ins Pfarrbüro will, um mir den Pilgerstempel zu holen. Da überrascht mich Frau Mercier, indem sie sagt, dass ich den auch von ihr bekommen kann. Ja sehr gerne! Er ist recht klein, aber sehr hübsch gestaltet. Das Lunchpaket bekomme ich dann sogar gratis, weil es gar nicht so viel ist. Zum Dank solle ich für die Familie eine Kerze anzünden, das würde genügen. Das mache ich auf jeden Fall!

Nun drehe ich noch eine kleine Runde durch Blankenheim, ich muss ja wenistens die Ahrquelle besichtigen, die mitten im Ort unter einem Haus liegt. Unterwegs kaufe ich an einem kleinen Obst- und Gemüsestand einen knackigen Apfel für unterwegs. Dann geht es zurück auf den Weg mit der gelben Muschel, und wie gestern wieder steil bergauf – mit Belohnung in Form von Aussicht. An einer Allee höre ich lautes Summen. Sobald ich mich von einem Baum entferne, wird es leiser, aber nähere ich mich dem nächsten, wird es wieder lauter. Wie es scheint, sind in den Linden fleißige Bienchen unterwegs und sorgen für leckeren Honig. Noch ist es herrlich sonnig.

Der Weg führt weiter durch Wald und dann in den winzigen Ort Nonnenbach, dessen hübsches, altes Kapellchen St. Brigida leider verschlossen ist. Aber die Wanddekoration nebenan entschädigt dafür. Mir fällt immer wieder auf, dass die Menschen in der Eifel sehr kreativ sind! Jetzt folge ich einer Landstraße in den nächsten Ort, die Wolken werden immer dichter und grauer. Hinter Waldorf führt der Weg weiter über Asphalt zwischen Wiesen hindurch. Hinter mir donnert es leise. Oh oh, das ist jetzt nicht gut, die Landschaft ist ziemlich offen und ich ein lohnender Blitzableiter. Ich bestelle beim Universum eine Schutzhütte, Lieferung bitte innerhalb von 30 Minuten. Meine Schritte werden immer schneller. Gewitter, bitte komm‘ nicht näher! Was ist denn das da hinter der Biegung des Weges? Ein Schuppen eines Bauern? Oder vielleicht doch …? Ja, eine Schutzhütte!! Vor Freude fange ich an zu rennen, trotz der 13 Kilo Gepäck auf meinem Rücken. Schnell in die Hütte, die nagelneu zu sein scheint. Jetzt fängt es richtig an zu regnen und zu grummeln, aber ich kann den Schauer in Ruhe abwarten und Pause machen. Das mit den Bestellungen beim Universum funktioniert immer wieder! Ich nutze die Pause auch, um für morgen zwei Nächte in der Jugendherberge in Prüm zu buchen. Ich brauche mal einen Tag Pause.

Als es nur noch tröpfelt, wage ich mich wieder hinaus. Weiter geht es durch die Wiesen und dann folgt ein Stück durch dichten Wald. Hier komme ich am Vierherrenstein vorbei, wo ich mich im Wanderbuch eintrage, das in der Hütte nebenan ausliegt.

Der Vierherrenstein, ein Stein aus Basalt, steht seit 500 Jahren hier und markierte damals die Grenze zwischen vier Herrschaften. Auf allen Seiten sind die entsprechenden Wappen zu sehen. Hier führte auch die alte Römerstraße von Köln nach Trier vorbei.

Weiter geht es mit leichtem Getröpfel, ich sehne ein Café herbei, um was Warmes zu trinken. Aber es kommt nichts, ich muss weiter. Vor Baasem rufe ich am Campingplatz in Kronenburg an, um zu fragen, ob sie noch einen Platz für mich haben. Ich habe Glück, dass ich die Dame noch erreiche, es ist kurz vor Schließung der Rezeption. Sie legt mir den Schlüssel für das Waschhaus und den Platzplan mit Markierung der Zeltwiese raus und beschreibt mir, wo ich alles finde. Die Anmeldung holen wir dann morgen früh nach. Super!

In der Kirche in Baasem flüchte ich kurz ins Trockene, ergattere einen weiteren Stempel und zünde die versprochene Kerze für Familie Mercier in Blankenheim an. Weiter, irgendwann muss ich ja mal ankommen. Meine Kamera verpacke ich jetzt tief im Rucksack, damit sie nicht noch nasser wird, als sie schon ist. So entstehen leider kaum mehr Fotos. Dann erreiche ich Kronenburg. Schon am Ortsrand in einem Wohngebiet finde ich eine Stempelstelle an einem Privathaus unter einer Pergola. Toll gemacht! Ich habe gerade im richtigen Moment aufgesehen und das Hinweisschild entdeckt. Kronenburg überrascht mich total, ein beeindruckendes Ensemble aus Burg und umgebenden Dorf auf der Höhe. Auch die Kirche ist sehenswert, das Gewölbe ruht auf einer einzigen Säule in der Mitte des Raumes. Hier muss ich bei schönem Wetter nochmal hin kommen!

Sogenannte Einstützenkirchen sind ein besonderer Bautypus, der zuerst in Toulouse in Frankreich angewandt wurde. In Kronenburg fächert sich die achteckige Säule in zwölf Rippen auf und steckt somit voller Symbolkraft: acht ist die Zahl der Unendlichkeit und steht für Jesus, die zwölf natürlich für die Apostel. Somit wird die Kirche von Jesus und den zwölf Aposteln „getragen“.

Der Campingplatz ist jedoch im Tal, am Ufer des Kronenburger Sees, hier ist die Kyll aufgestaut. Also erstmal runter vom Berg und dann zwei Kilometer am Ufer entlang. Die teile ich jedoch auf, denn ich entdecke ein Restaurant, das auch asiatische Speisen anbietet und kehre dort direkt zum Abendessen ein. Ist ja auch schon 18 Uhr. Bei dem Schietwedder bin ich der einige Gast. Bei Sonnenschein ist der Badestrand sicherlich gut gefüllt.

Seeterrasse Restaurant & Café
Seeuferstraße 6
53949 Dahlem-Kronenburg
Website

Sehr leckeres und günstiges Essen sowie sehr nettes Personal. Ausblick über den Kronenburger See inklusive.

Nun noch ein Kilometer, ich überschreite die Grenze von NRW nach Rheinland-Pfalz und dann habe ich den Campingplatz endlich erreicht. Ich finde die bereitgelegten Dinge wie beschrieben und werde doch noch ordentlich eingewiesen. Die etwa 12jährige Tochter der Besitzerin zeigt mir den Zeltplatz und erklärt mir den Waschhausschlüssel. Außerdem erzählt sie mir ganz viel und fragt mich Dinge, während ich mein Zelt aufbaue. Ein sehr aufgewecktes und kontaktfreudiges Kind! Sie wird den Platz später mal gut leiten, wenn sie ihn von ihrer Mutter übernimmt. Als es wieder anfängt zu regnen, geht sie lieber nach Hause ins Trockene. Ich verziehe mich ins Zelt und lege mich recht früh schlafen.

Übernachtung:
Campingpark Kronenburger See *****
Bahnhofstraße 19
54611 Hallschlag
GPS: 50°21’41.2″N 6°27’13.9″E oder 50.361434, 6.453873
Website
Preis: 18,80 €

Ein schöner und ruhig gelegener Campingplatz mit großer Zeltwiese, wo auch eine Grillhütte und Picknicktische zu finden sind. Die Sanitäranlagen sind großzügig und sauber. Am Platz gibt es auch eine Gaststätte. Hier werde ich bei meinem nächsten Besuch von Kronenburg bestimmt wieder Station machen.

Freitag, 9. Juli 2021

von Kronenburg nach Prüm, 25 Kilometer

Trotz einer nächtlichen Wachphase, die durch das beständige Rufen eines Kauzes aus dem benachbarten Wäldchen intensiviert wird, wache ich am Morgen durchaus erholt auf. Am Picknicktisch mache ich mein Frühstück, glücklicherweise ist regnet es mal nicht. Trotzdem muss ich das Zelt in feuchtem Zustand verpacken. Ich sollte mir für solche Fälle noch einen Lappen einpacken, damit ich zumindest die gröbste Feuchtigkeit abwischen kann. Nachdem alles wieder im Rucksack verschwunden ist, gehe ich zur Rezeption zum Bezahlen. Nun kann es weiter gehen. Wieder erstmal die zwei Kilometer am See entlang zurück zum Pilgerweg und dann bergauf. Der Blick auf Kronenburg ist wunderbar. Leider fühlen sich Bremsen hier auch wohl, diese hinterhältigen Viecher bemerkt man immer erst, wenn sie zustechen.

Der Weg führt mich nun über recht langweilige Forstwege durch wirtschaftlich genutzte Wälder. Punkt Mittag erreiche ich den Ort Ormont, wo ich im Café neben der Kirche einen Pilgerstempel in brauner Farbe erhalte – mal was anderes! Kurz darauf spricht ein Anwohner mich an, dass er sich besseres Wanderwetter vorstellen könnte. Das könnte ich wohl auch, aber manchmal muss man eben nehmen, was man kriegt. 🙂 Nach dem Ort folge ich einem Feldweg, der an Betongebilden entlang führt. Es handelt sich um Reste des Westwalls aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Natur hat die Fremdkörper inzwischen für sich erobert. Teilweise fällt es schwer zu erkennen, was ein Betonteil und was ein Baumstumpf ist.

Der Westwall wurde 1936 errichtet, verlief von Goch am Niederrhein bis nach Basel (ca. 630 Kilometer) und bestand aus Bunkern und Panzersperren. Genützt hat der Wall nichts, die Alliierten haben ihn einfach überrannt. Die Bunker wurden aus Sicherheitsgründen inzwischen gesprengt und zugeschüttet, sind also nur noch als Hügel in der Landschaft erkennbar. Hier zieht sich der Westwall über den Schneifel genannten Höhenrücken.

Im nun folgenden Wald sieht es auch ein bisschen nach Schlachtfeld aus, hier scheint vor Kurzem ein Harvester aktiv gewesen zu sein. Die Forstwege sind zerfurcht und auch das Auslegen von dünnen Stämmen als Untergrund für den Harvester macht die Sache nicht wirklich besser. Ich bekomme jetzt richtig Hunger und bestelle eine Schutzhütte – beim Universum natürlich. Kurz darauf überquere ich eine Bundesstraße, an der ein Wanderparkplatz liegt, der sowohl über eine Hütte als auch einen Picknicktisch verfügt. Wunderbar! Ich lasse mich am Tisch nieder, da es trocken und sogar teils sonnig ist, und koche mir ein Trekkingmeal. Als die Wolken doch etwas dunkler zu werden scheinen, packe ich schnell zusammen. Der Platz bleibt nicht leer, ein anderer Wanderer beginnt jetzt seine Pause. Wir kommen kurz ins Gespräch, der Mann mittleren Alters ist auch Pilger und will ebenfalls in der Jugendherberge in Prüm übernachten. Also werden wir uns dort wieder treffen. Das erste Mal, dass ich auf dem Weg einem anderen aktiven Pilger begegne!

Der nächste Wegabschnitt ist irgendwie seltsam. Ein äußerst schmaler Pfad durch Gras, der nur wenige Meter neben der links liegenden Bundesstraße verläuft. Wie mir der andere Pilger später erzählt, wäre rechter Hand sogar ein breiter Wanderweg gewesen. Aber wir sind ja ordentliche Pilger und folgen der Muschel. Ich bin zumindest froh, dass ich eine lange Hose trage, da sollten die Zecken kein großes Problem sein. Und ich hätte sonst eine besondere Begegnung verpasst … da der Weg schmal und uneben ist, muss ich ständig nach unten sehen und habe nur den halben Meter vor mir im Visier. Plötzlich muss ich abrupt abbremsen. Was ich zunächst für einen riesigen Hundehaufen halte, ist bei näherer Betrachtung eine Erdkröte! Sie hat sich – zumindest aus ihrer Perspektive – bedrohlich aufgerichtet, weil sie mich für einen Feind hält. Ich bin aber einfach nur fasziniert und mache Fotos. So einem Tier bin ich noch nie ansichtig geworden. Schließlich umgehe ich sie in gebührendem 😉 Abstand und hoffe, dass auch nachfolgende Wanderer rechtzeitig halten und sie nicht aus Versehen verletzen.

Nach diesem „abenteuerlichen“ Wegstück folgen breite Waldwege, wo ich wieder schnell ausschreiten kann. Später geht es durch Felder, wo Bussarde und ein Rotmilan über mir kreisen. Im folgenden Tal erreiche ich Gondenbrett, dessen Kirche mir einen weiteren Stempelabdruck beschert. Auf einer schmalen Straße bergauf tummeln sich Enten, Hühner und Katzen. Ich spreche den Anwohner auf seine tolle Menagerie an. Auch kann ich nicht umhin, die süßen kleinen Kätzchen zu streicheln, die recht zutraulich sind. Aber leider muss ich weiter, zumal jetzt doch wieder Tropfen fallen. Was zunächst nur nach tröpfeln aussieht, geht schnell in einen kräftigen Landregen über, dem meine Regenjacke nichts entgegenzusetzen hat. Irgendwann ist mir das völlig schnuppe, dann bin ich eben von oben bis unten nass. Sogar die Socken und die Schuhe von innen. Ein letzter Anstieg auf den Kalvarienberg oberhalb von Prüm. Dann verliere ich irgendwie die Muschel und lasse mich vom Handynavi zur Jugendherberge lotsen. Ich will nur noch ankommen.

Mit fast überschwappenden Schuhen erreiche ich endlich um 18 Uhr die Jugendherberge in Prüm. Schnell einchecken, aufs Zimmer und nach der wärmenden Dusche in trockene Klamotten springen. Beim anschließenden Abendessen spricht mich der Pilger von heute Mittag kurz an. Er geht in der Stadt was essen, er hat nicht wie ich Halbpension gebucht. Er ist auch in den Regen geraten und hat zu allem Überfluss vorher seine Regenjacke verloren. Also muss er am nächsten Tag erstmal shoppen gehen. Morgen beim Frühstück sieht man sich sicher auch nochmal.

Nach einem leckeren Drei-Gänge-Menü entspanne ich in dem großen Doppelzimmer, das ich für mich allein habe. Ja, genau richtig, um mal ein bisschen zur Ruhe zu kommen.

Übernachtung:
Eifel-Jugendherberge
Kalvarienbergstraße 5
54595 Prüm
Website
Preis: 49,80 € HP im Doppelzimmer zur Alleinnutzung

Die deutschen Jugendherbergen entwickeln sich immer mehr zu günstigen Hotelbetrieben. Ich war ganz erstaunt, dass das Bett schon bezogen war, im Bad fand ich Duschgel und Shampoo und das Speisenangebot – vor allem beim Frühstück – ist auch sehr vielfältig. Den guten alten „Jugendherbergstee“ (nichts anderes als Hagebuttentee) muss man heute fast suchen. Hier in Prüm hat mir das Zimmer besonders gut gefallen, schön luftig und hell mit bodentiefen Fenstern.

Samstag, 10. Juli 2021

Aufenhalt in Prüm

Als ich zum Frühstück komme, ist der andere Pilger schon so gut wie fertig. Er will direkt los, er braucht ja noch eine neue Regenjacke und will bis Dienstag in Trier sein, wo er verabredet ist – wow, da muss er dann aber wirklich Gas geben, das sind 106 Kilometer in vier Tagen, mit bergauf und bergab. Ich mache das genaue Gegenteil und verteile eine Etappe auf zwei Tage, um langsam wieder zu starten. Wir wünschen uns gegenseitig Buen Camino.

Eigentlich will ich ja heute faulenzen, aber die ein oder andere Besorgung muss ich auch noch machen, also gehe ich mit leichtestem Gepäck in die Stadt, kaufe ein paar notwendige Kleinigkeiten und schaue im Sportladen nach einem Poncho. Aber wieder nicht das richtige dabei. Am Platz vor der Basilika von Prüm kehre ich in ein Café ein, das mich mit der Anpreisung von Chai Latte lockt. Dazu ein Stück Frankfurter Kranz. Herrlich! Schlemmen und dabei das Treiben beobachten. Da heute gutes Wetter ist, sind viele Leute unterwegs. Außerdem schaue ich mir die Basilika an, die von außen wirklich beeindruckend ist – zumal für das kleine Eifelstädtchen.

Die Basilika gehörte zu einem Benediktiner-Kloster, das bereits im Jahr 721 gegründet wurde. König Pippin übertrug der Abtei 752 umfangreiche Ländereien und angeblich war sein Sohn Karl, besser bekannt als Karl der Große, bei der Einweihung der romanischen Abteikirche im Jahr 799 dabei. Karls Enkel, Kaiser Lothar I., starb hier, nachdem er 855 abgedankt hatte, die Abtei war inzwischen zum „Hauskloster“ der Karolinger geworden. Lothars Grab befindet sich noch immer in der Basilika. Hier wird außerdem eine für Katholiken bedeutende Reliquie aufbewahrt: die Sandalen von Jesus.

Über ein paar Straßen der Stadt sind bunte Regenschirme aufgehängt, scheint eine Kunstinstallation zu sein. Das sieht hübsch aus und zaubert nette Schattenspiele auf die Straße.

Zurück in der Herberge mache ich ein Nachmittagsschläfchen, gehe um 19 Uhr zum Abendessen und lasse den Abend mit Lesen in einem geliehenen Buch ausklingen. Die Pause vom Wandern hat gut getan und morgen geht es erstmal mit einer kleinen Etappe weiter.

Übernachtung:
siehe Vortag

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