Burgund 2017 – 2. Teil: Von Saulieu nach Meursault

Dienstag, 6. Juni

Eigentlich sollte Saulieu eine reine Übernachtungsstation sein, als ich aber am Vorabend in meinem Reiseführer gelesen hatte, dass die Kirche des Ortes besondere romanische Figurenkapitelle zu bieten hat, schob ich deren Besichtigung noch am Morgen ein. Und sie sind wirklich beeindruckend, quasi eine Bibel in Stein. Wer der Schrift und ihrer Entzifferung unkundig war, konnte die Geschichten der Bibel sozusagen als frühen Comic „lesen“. Auf dem Foto z.B. der Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag.

Nun fuhr ich eine größere Etappe, auch mal wieder ein Stück Autobahn. Zunächst direkt nach Osten, auf Dijon zu. Die Hauptstadt der Region Burgund ließ ich jedoch links liegen. (Ich war vor einigen Jahren schon mal mit einer Reisegruppe dort und hatte diesmal wenig Lust auf größere Städte.) Stattdessen ging es nun nach Süden, auf die „Route des Grand Crus“ – die Burgundische Weinstraße. Diese zieht sich im Windschatten der westlich liegenden Bergwelt des Morvan von Dijon bis hinunter nach Meursault. Topografisch ist sie der Deutschen Weinstraße sehr ähnlich, die im Windschatten des Pfälzer Waldes liegt. Sogar die Dörfer wirkten auf mich sehr ähnlich, trotz der verschiedenen Bautraditionen. Die Route des Grand Crus ist durchgängig gut ausgeschildert und führt weitab der Autobahn und Nationalstraße mitten durch die Weindörfer.

Einen ersten kleinen Stopp legte ich in Fixin ein, wo es einen kleinen Skulpturenpark, den „Parc Noisot“, gibt. Für einen Spaziergang und einen schönen Ausblick in die Ebene sehr gut geeignet. (In Fixey gibt es eine romanische Kirche aus dem 10. Jahrhundert, die ich eigentlich besichtigen wollte – jedoch wurde sie gerade umfangreich restauriert und war somit für die Besichtigung geschlossen.) Dann fuhr ich weiter durch schmucke Orte und Weinhänge nach Gevrey-Chambertin. In der dortigen Touristeninfo holte ich mir eine Wanderkarte. Denn neben all der Kultur darf bei mir auch dieser schöne Zeitvertreib nicht fehlen! Zum „warmwerden“ drehte ich eine kleine Runde durch die Weinberge.

In Frankreich haben Weingüter oft einen Namen wie „Clos de …“. Ein „clos“ ist eine von Mauern umgebene Rebenparzelle. Diese Mauern waren einerseits Besitzmarkierung, haben aber auch Einfluss auf das „Terroir“ (dies ist ein unübersetzbarer Begriff – er umschließt sowohl den Boden als auch das Klima als auch das Können des Winzers und bezieht sich auf die Qualität des Weines).

Am frühen Abend fuhr ich dann von Gevrey-Chambertin durch eine spektakuläre Schlucht inklusive Felstor, das nur einspurig befahren werden kann, hinauf nach Chambœuf.

Dort gibt es den einzigen Campingplatz in der näheren Umgebung. Er liegt oberhalb des Dorfes, von dort hat man eine schöne Aussicht über die Hügel des Morvan (die man am besten vom Damen-Waschraum aus sehen kann 😀 ). Hier kann man u.a. auch Jurten anmieten. Nachdem ich den Platz bezahlt hatte, fuhr ich nochmal hinunter nach Gevrey, weil ich essen gehen wollte. Nicht schon wieder Nudeln kochen. 🙂 Leider war dies nicht von Erfolg gekrönt, alle Lokale, die ich ansteuerte, hatten zu. Letztlich holte ich mir dann eine Pizza. 🙁

Der Campingplatz scheint vor kurzem modernisiert worden zu sein. Die Sanitäranlagen sind farblich schön gestaltet und ordentlich. Während meines Aufenthaltes war der Platz regelrecht ausgestorben, Nebensaison eben. Aber so war wenigstens eine gute Nachtruhe garantiert. 🙂

Gefahrene Kilometer:
149

Übernachtung:
Camping „Relais des Hautes-Côtes“***
6 impasse Chateau d’eau
21220 Chambœuf
GPS: 47.232613, 4.905412 oder 47°13’57.4″N 4°54’19.5″E

Preis:
17,00 €

Mittwoch, 7. Juni

Nach dem Frühstück fuhr ich wieder hinunter in die Schlucht und parkte mein Auto auf dem Wanderparkplatz. In der Wanderkarte hatte ich eine schöne Rundwanderung von 8 km Länge durch die Schlucht entdeckt. Die „Combe de Lavaux“ ist ein Naturreservat und beindruckt durch die grauen Felsen, die aus dem dichten Wald hervorstechen. Am Anfang dachte ich noch, 8 km, das ist locker in zwei Stunden zu machen. Aber nix da, die Wanderung hatte teils alpinen Charakter, ging vor allem in der zweiten Hälfte nah am Abgrund über Felsen – sowas liebe ich! Die Vegetation war sehr abwechslungsreich und die Ausblicke immer neu und stets wunderschön. Auch die Wegemarkierung war 1a!

Am frühen Nachmittag ging es weiter nach Süden. Auf dem Plan stand das Weingut „Château de Clos de Vougeot„.

Das Weingut wurde im 12. Jahrhundert von den Zisterziensern gegründet, deren Mutterabtei nicht weit entfernt in Cîteaux lag. Deshalb ähnelt der Grundriss auch einem Kloster. Eine Hälfte des ersten Hofes wurde in der Renaissance in einen schlossähnlichen Bau umgewandelt, die andere Hälfte sowie der „Kreuzgang“ sind noch mittelalterlicher Baubestand. Heute gibt es keinen Weinkeller mehr, jedoch trifft sich hier jährlich die „Confrérie des Chevaliers du Tastevin“ (frei übersetzt: „Bruderschaft der Ritter der Weinprobierschale“ 😀 ). Im „Kreuzgang“ stehen riesige Weinfässer und drei noch größere Weinpressen, die älteste von 1477.

In allen Räumen stehen Touchscreens, wo man in verschiedenen Sprachen weitere Informationen erhält, zum Gebäude, zum Weinanbau und auch so manch nette Information, mit der man bei der nächsten geselligen Runde angeben kann. 😉

Als nächstes fuhr ich in den kleinen Weiler Concœur, dort gibt es ein kleines Lädchen namens „Fruirouge„. Dort kann man Konfitüren, Liköre, und was auch immer man aus Früchten machen kann, kaufen. Die Früchte werden vom Inhaber-Ehepaar biologisch angebaut. Leider hatte ich einen Tag erwischt, an dem der Laden nicht offen hatte. Ich traf aber die Oliviers an und sie sagten mir, dass ich in der Innenstadt von Nuits-St-Georges ihre Produkte kaufen kann. Also fuhr ich dorthin und kaufte zwei Sorten Konfitüre. Beide waren lecker, aber nicht außergewöhnlich. Hinterher habe ich mich doch etwas geärgert, dass ich über sechs Euro für ein 150-g-Gläschen bezahlt habe. 🙁

In Nuits-St-Georges war ohnehin mein nächster Programmpunkt: das „Cassisium„. Ein Museum, das sich ausschließlich der Schwarzen Johannisbeere und deren flüssiger, alkoholischer Form, dem Cassis-Likör widmet. Da das Museum vom Likör-Produzenten Vedrenne betrieben wird, sind auch eine Führung durch die Produktion und eine Verkostung enthalten. Das Museum war interessant, für meinen Geschmack aber etwas zu interaktiv. Irgendwann nervt es, wenn man für jede Information irgendwas herausziehen, umdrehen oder aufklappen muss. Die Verkostung fiel für mich natürlich klein aus – don’t drink and drive! Aber selbstverständlich nahm ich eine Flasche Cassis-Likör mit. Schließlich sollten meine Daheimgeliebenen als Souvenir einen echten „Kir“ zu trinken bekommen!

„Kir“ ist ein Cocktail aus einem Fünftel Cassis-Likör und vier Fünfteln Weißwein. Mit Champagner statt des Weißweins wird ein „Kir Royal“ daraus.

Auf dem Weg zum nächsten Campingplatz fand ich wieder kein passendes Restaurant. Ich hatte mich schon damit abgefunden, wieder Nudeln kochen zu müssen. Doch welche Überraschung: der Campingplatz hat ein eigenes kleines Restaurant! Nach dem Bezug meines Stellplatzes ließ ich mich dort nieder und ließ mir eine burgundische Spezialität schmecken: Coq au Vin – oder neudeutsch: Kokkowäh. 😀 Dazu einen trockenen Chardonnay. Der erste „richtige“ kulinarische Genuss, wie ihn mein Reisemotto verlangte!

Der Campingplatz in Premeaux-Prissey hat eine schöne Lage und ist hübsch gestaltet. Lediglich die Toiletten sind ziemlich veraltet, die Waschräume sind in Ordnung. Croissants und Baguette können in der Rezeption vorbestellt werden.

Nach dem Abendessen drehte ich noch eine kleine Runde durch das Dorf und die nahen Felder.

Gefahrene Kilometer:
47

Übernachtung:
Camping du Moulin de Prissey
14 Rue du Moulin de Prissey
21700 Nuits-St-Georges
GPS: 47.103335, 4.941713 oder 47°06’12.0″N 4°56’30.2″E

Preis:
15,50 €

Donnerstag, 8. Juni

Da ich speziell vom Orden der Zisterzienser bzw. deren Glaubensauffassung und Architektur begeistert bin, durfte ich mir die Abtei von Cîteaux natürlich nicht entgehen lassen. Am Morgen machte ich also einen Abstecher von der Route des Grand Crus. Leider ist von der mittelalterlichen Abtei nicht mehr viel übrig. Jedoch leben hier (wieder) Zisterziensermönche, anders als z.B. in Fontenay, das „nur noch“ ein Museum ist.

Die erste Abtei des damals neuen Ordens der Zisterzienser wurde 1098 von Robert von Molesme gegründet. Der berühmteste Bruder der Abtei war Bernhard von Clairvaux, der im 12. Jahrhundert sogar die Päpste beriet und in Vézelay zum Zweiten Kreuzzug aufrief. In der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgehoben. 1900 siedelte sich eine Gruppe von Mönchen wieder hier an.

Die Zisterzienser waren eine Reformbewegung gegen den Prunk der Kirche, wie er z.B. in Cluny zur Schau gestellt wurde (riesige Kirchenbauten mit unzähligen Türmen). Die Brüder aus Cîteaux besannen sich wieder zurück auf die benediktinische Ordensregel „ora et labora“ (lateinisch für „bete und arbeite“). Somit bestand ihr Tag aus Gebet, Meditation und Arbeit. Die Abteien versorgten sich in der Regel selbst. Alles in ihrem Umfeld sollte einfach sein und nicht den Geist ablenken, aber dennoch Gott preisen. Deshalb haben sie ihren eigenen Architektur-Stil kreiert, der von natürlichen Formen und Mustern geprägt ist (Blätter, Ranken, Kreise). Kirchtürme sucht man bei den Zisterziensern vergebens.

Zur Besichtigung geht man über einen „Weg der Stille“. Wenn man sich an die Instruktionen hält, ist das ein schöner Einstieg und eine gute Vorbereitung. Die Gebäude sind nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Ein Teil des Kreuzganges mit Zellen der Kopisten und der Bibliothek sowie ein Wirtschaftsgebäude sind noch erhalten, der Rest der ehemaligen Gebäude ist durch kleine Mauern und Hecken angedeutet. Die heutige Kirche ist sehr modern. Die Mönche betreiben heute immernoch Landwirtschaft und aus der Milch ihrer Kühe stellen sie einen leckeren Käse her, den man im Klosterladen kaufen kann.

Alles in allem war ich doch ein wenig enttäuscht von Cîteaux, weil so wenig aus der Blütezeit des Ordens erhalten ist. Die neue, moderne Kirche gefiel mir überhaupt nicht. Dennoch ist es schön, dort mal gewesen zu sein.

Meine Route führte mich nun zurück auf die Weinstraße und weiter nach Beaune, dessen berühmtes Hospiz ich besichtigte, vor allem wegen der schönen Fachwerkarchitektur und den glasierten Dachziegeln. Auch hier bekommt man für die Besichtigung Audioführer, welche sehr viele Informationen bieten. Wenn man sich für die Geschichte der Medizin und Krankenpflege interessiert, ist man hier sehr gut aufgehoben. Mir ging es eher um das Gebäude. Außerdem kann man hier das Gemälde „Das Jüngste Gericht“ von Rogier van der Weyden besichtigen. Muss man aber nicht. 😉

Beaune selbst ist eine hübsche Stadt mit komplett erhaltener Stadtmauer, auf der man nett flanieren kann, einer schönen romanischen Stiftskirche und stattlichen Häusern. In der Innenstadt gönnte ich mir ein sündhaft teures Eis: für eine Kugel Cassis-Sorbet zahlte ich 2,30 €! Aber hey, ich war im Urlaub! 😀

Wieder hinaus aus dem Trubel der Stadt. Ich fuhr nun zum nächsten Campingplatz in Meursault, dem „teuersten“ dieser Reise. Aber er ist das Geld wert. Er liegt mitten in den Weinbergen, ist terrassiert und bietet einen tollen Ausblick in die Ebene. Die Sanitäranlagen sind teilweise ganz neu und es gibt auch hier ein Restaurant auf dem Platz (beim Einchecken bekommt man einen Gutschein für ein Glas Wein). Diese Gelegenheit nutzte ich für ein weiteres kulinarisches Muss: Bœuf Bourguignon. In der Ferne im Südosten lugte etwas über den Horizont, das Gerüchten zufolge der Mont Blanc war. So ganz glaube ich immernoch nicht daran. 🙂 Jedenfalls war die Abendstimmung hier wunderschön!

Gefahrene Kilometer:
57

Übernachtung:
Camping „La Grappe d’Or“***
2, route de Volnay
21190 Meursault
GPS: 46.985327, 4.768171 oder 46°59’07.2″N 4°46’05.4″E

Preis:
20,05 €

2 Kommentare

  1. Liebe Katja,
    tolle Seite! Was für ein Projekt auch immer du startest, du packst es professionell an! Finde das super und freue mich schon auf weitere Reiseberichte!
    Liebe Grüße aus dem hohen Norden 🙂
    Judith

    1. Meine liebe Judith!
      Wie schön, dass Du bei mir vorbeischaust! (Jay, der erste Kommentar!)
      Ich gebe mir redlich Mühe, es zumindest professionell wirken zu lassen 😉
      Vielen, vielen Dank!

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