Schwäbische Alb September 2019 – Teil 4: von Lauterburg nach Lorch

Freitag, 20. September

Nach einer wiederum kalten Nacht freue ich mich auf die heiße Dusche. Ich übertreibe es ein wenig mit der Wassertemperatur und verwandle so den Waschraum in ein Dampfbad. 🙂 Nach dem Frühstück mit nochmals sehr leckeren Brötchen packe ich zusammen und fahre in den nächsten Ort zur Bank, Geld holen. Ich muss ja noch meinen Deckel in der Gaststätte begleichen. Dann geht es weiter, spontan halte ich in Schwäbisch Gmünd. Ich muss eh einkaufen und von der Schnellstraße aus sah der Ort sehr vielversprechend aus.

Schwäbisch Gmünd hat einige schöne alte Häuser und Kirchen sowie hübsche Gassen und gemütliche Plätze. Im Münster bin ich sogar für ein paar Minuten ganz allein und kann die Stille genießen. An der Johanniskirche ist heute eine „Fridays for future“-Demonstration.

Nach diesem netten Altstadt-Bummel fahre ich weiter nach Lorch, zum dortigen Kloster. Dort ist an diesem Wochenende ein Mittelaltermarkt. Das hatte ich bereits zuhause recherchiert und habe dementsprechend meine Gewandung dabei. An diesem Ort passt sie zeitlich perfekt!

Das Benediktiner-Kloster Lorch wurde im 12. Jahrhundert von Friedrich I. von Schwaben gegründet. Es diente lange als Grablege der Staufer. Im ehemaligen Kapitelsaal gibt es eine moderne Malerei im Stile der Renaissance, die den Aufstieg der Staufer zur Herrscherdynastie im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation darstellt. Die Klosterkirche ist romanisch und beeindruckt so vor allem durch ihre Schlichtheit und klaren Linien. Vom Kreuzgang ist nur noch wenig erhalten.

Ich parke meinen Camper auf der großen Wiese, die für dieses Wochenende zum Parkplatz erklärt wurde und esse erstmal ein leckeres Stück Johannisbeer-Baiser-Torte, das ich in Schwäbisch Gmünd beim Konditor gefunden habe. Der Nachmittag ist wieder der Lektüre gewidmet. Während ich gemütlich mit meinem Buch am Auto sitze, kommen immer mehr Händler und Darsteller für den Markt an und defilieren an mir vorbei.

Übernachtung:
Wiese am Kloster Lorch
kostenlos

Gefahrene Strecke: 77 Kilometer

Samstag, 21. September

Nach dem Frühstück, das noch ganz dem 21. Jahrhundert entspricht, verwandle ich mich in eine Edeldame des 12. Jahrhunderts und gehe zum Mittelaltermarkt. Dieser wird mit einem Einmarsch der Darsteller und Händler offiziell eröffnet. Ich treffe auf ein Paar, das ich auch bereits auf dem Markt auf der Reichsburg Cochem (siehe meine Eifel-Tour im August 2018) gesehen habe, sie verdienen ihr Geld mit Gesangsauftritten und reisen dafür quer durch Deutschland und Europa.

Die folgenden Stunden schlendere ich immer wieder an den Ständen vorbei, unterhalte mich mit den Händlern, Handwerken sowie anderen gewandeten Besuchern, kaufe schöne Dinge wie handgesiedete Seife und handgeschöpftes Papier und genieße das kulinarische Angebot.

Einmal sitze ich auf der Fensterbrüstung innerhalb des erhaltenen Teils des Kreuzganges, um zu verschnaufen. Ich bemerke, wie mich eine Dame verstohlen fotografiert. Eine andere Frau spricht mich an und fragt, ob sie mich fotografieren dürfe, mit meiner Gewandung passe ich ja gut zum alten Gemäuer. Ich bin einverstanden, wenn sie mir das Bild später zukommen lässt. Wegen Gegenlicht scheitert bei ihr ein gutes Bild. Da kommt aber die erste Frau zu mir und zeigt mir das Bild, das sie von mir gemacht hat. Es ist schön geworden und ich bitte sie, es mir per E-mail zu schicken. Sie sagt es mir zu und tatsächlich erhalte ich nach meinem Urlaub das Foto! Ich danke ihr auch an dieser Stelle nochmals ganz herzlich!

Auf dem Markt kann man auch Kamelreiten. Der orientalisch gekleidete Herr führt das Kamel immer wieder im Kreis über den Markt. Einmal beobachte ich, dass das Wüstenschiff wohl genug davon hat und störrisch stehen bleibt, während Mutter und Sohn, die gerade gut bezahlt haben, voller Erwartung zwischen den Höckern hocken. Nach einer Weile gutem Zureden und bestimmtem Ziehen am Halfter setzt es sich doch in Bewegung. Naja, stelle ich mir auch nicht gerade prickelnd vor: ständig der gleiche Weg, ständig glotzende Menschen und immer neue Passagiere – den ganzen Tag.

Um 14 Uhr sehe ich mir die Greifvogelflugschau an, denn am Kloster gibt es die „Staufer-Falknerei“. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich vielleicht mal einen Falken auf der Hand halten dürfte, um ein schönes Bild davon machen zu lassen. Aber leider ist das nicht möglich. 🙁 Sehr schade. Dennoch ist es toll, diese schönen Tiere mal relativ nah sehen zu können. Sie fliegen – wie bei solchen Shows üblich – sehr dicht über die Köpfe der Zuschauer.

Ich bleibe auf dem Markt, bis die Dämmerung einsetzt. Nach so vielen schönen Eindrücken und soviel frischer Luft schläft es sich besonders gut.

Übernachtung:
siehe gestern

Sonntag, 22. September

Fast bin ich versucht, nochmal zum Markt zu gehen, aber ich muss ja heute nach Hause und es soll nicht zu spät werden. Die Besucher strömen schon wieder. Das tolle Wetter beschert den Marktleuten gute Geschäfte.

Auf dem Heimweg mache ich einen Zwischenstopp an der „Keltenweg am Glauberg„. Das dortige Museum und den Grabhügel habe ich bereits 2013 einmal als Tagesausflug besucht. Aktuell gibt es dort eine Sonderausstellung – und zwar zu den Funden am Bettenbühl unterhalb der Heuneburg. Die gefundenen Schmuckstücke der „Fürstin vom Bettenbühl“ und des Mädchens wurden detailgetreu rekonstruiert und werden hier gezeigt und erklärt. Besonders spannend finde ich den Film, wo die Vorgehensweise der Rekonstruktion gezeigt wird und die Schwierigkeiten dabei erklärt werden. Danach schaue ich nochmal kurz in die Dauerausstellung, die ich doch etwas anderes wahrnehme als damals, da ich inzwischen viel mehr über die Kelten und verschiedene Fürstengräber gelernt habe.

Keltenwelt am Glauberg
Am Glauberg 1
63695 Glauburg
Website

Am frühen Abend bin ich zurück in der sauerländischen Heimat.

Gefahrene Strecke: 431 Kilometer

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