Burgund 2017 – 3. Teil: Von Meursault nach Avallon

Freitag, 9. Juni

Meursault war meine letzte Station an der Burgundischen Weinstraße. Ich fuhr nun in westlicher Richtung weiter, mit einem spontanen Stopp in La Rochepot. In dem kleinen Ort steht eine Burg gleichen Namens, eine im Kern mittelalterliche Burg, die im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut wurde (wie bei uns in Deutschland die meisten Rheinburgen). Besonders sehenswert fand ich die Küche nebst Kaffeemaschine aus dem 18. Jahrhundert. Jedoch hat mich der vergleichsweise hohe Eintritt von 8 € im Nachhinein doch etwas geärgert.

Nun ging es weiter, der Sonne entgegen, nach Autun. Hier parkte ich das Auto kostenlos (!) am römischen Amphitheater und erkundete die Stadt zu Fuß.

Autun wurde um 15 v. Chr. als Augustodunum von den Römern gegründet – wahrscheinlich als Ersatz für den alten gallischen Hauptort der Gegend, Bibracte, welcher handelsungünstig auf einem hohen Berg lag. Aus römischer Zeit haben sich einige Baudenkmäler erhalten, wie das römische Theater, das als das größte im antiken Gallien gilt, und zwei Stadttore.

Auch in Autun gab es wieder interessante romanische Bildhauerkunst zu bestaunen. Das Tympanon der Kathedrale St-Lazare sowie die Figurenkapitelle sind wirklich beeindruckend! Wobei ich von den Kapitellen gar nicht so viele sehen konnte, da zur Zeit meines Besuchs archäologische Grabungen in der Vierung der Kirche stattfanden und deshalb große Teile des Gotteshauses nicht betreten werden konnten.

Vom Mittelalter ging es dann wieder in die Antike: einmal quer durch die Altstadt und zur Porte St-André, einem der beiden römischen Stadttore. Quasi die Porta Nigra in etwas kleiner. Und nicht ganz so „nigra“ 🙂

Autun liegt am Rande des Morvan, einer schönen Mittelgebirgslandschaft, die mich an meine Heimat erinnerte. Nun fuhr ich tiefer in diese Bergwelt hinein, nach St-Léger-sous-Beuvray. Diesmal gönnte ich mir einen ganzen Nachmittag zum Seele baumeln lassen auf dem Campingplatz. Und dafür hatte ich genau den richtigen ausgesucht, ein kleiner Platz in einem lieblichen Tal mit Auen und wenigen Häusern  und Höfen drumherum. Nach dem Abendessen machte in einen kleinen Spaziergang durch die umliegenden Felder und erfreute mich einfach meines Daseins! 🙂

Auf dem Bild von meinem Auto übrigens mal ein paar Details aus dem Campingalltag: zwischen Beifahrertür und Schiebetür sieht man unten, wie das Stromkabel herauskommt. Da gibt es eine kleine Abflachung an der Schiebetür, die es ermöglicht, das Kabel hindurchzulegen, ohne dass es irgendwie gequetscht wird. Und an der Beifahrertür hängt meine Mülltüte – befestigt mithilfe eines Saugnapf-Hakens. Innen ist so nichts im Weg, es müffelt nicht und die meisten Tiere, die gerne in Mülltüten wühlen, kommen so nicht ohne Weiteres dran.

Gefahrene Kilometer:
72

Übernachtung:
Camping de la Boutière
La Boutière
71990 Saint Léger sous Beuvray
GPS: 46.931556, 4.100896 oder 46°55’53.6″N 4°06’03.2″E

Preis:
13,65 €

Samstag, 10. Juni

Der heutige Tag stand wieder ganz im Zeichen des Reisemottos, er war komplett vorgesehen für die Besichtigung des Museums und der Ausgrabungen am Mont Beuvray, welcher eine Verbindung schlägt nach Alésia.

Auf dem Mont Beuvray stand einst ein gallisches Oppidum namens Bibracte. Hier ließ sich der Fürst der Arverner, Vercingetorix, zum Führer aller gallischen Stämme wählen, im Kampf gegen die Römer unter Cäsar. Nachdem Cäsar die Schlacht bei Alésia gewonnen hatte, hielt er sich eine zeitlang in Bibracte auf und schrieb an seinem Werk „de bello gallico“ (lateinisch für „über den gallischen Krieg“). Heute sind auf dem Mont Beuvray die Reste der gallorömischen Siedlung Bibracte zu sehen, sowie die Grundmauern einer kleinen mittelalterlichen Klosteranlage, die z.T. direkt über den antiken Resten errichtet wurde.

Zunächst erkundete ich das Museum von Bibracte. Auch hier wieder ein Audioführer auf Deutsch mit umfangreichen Informationen. Die Ausstellung befasst sich in der oberen Etage mit allgemeineren Themen wie Siedlungsweise der Gallier/Kelten, Befestigungstechnik, Land- und Viehwirtschaft. In der unteren Etage sind Befunde vom Mont Beuvray selbst dargestellt. Mit reichlich Wissen vollgestopft erklomm ich dann den Berg und umrundete das Plateau zur Hälfte, auf der Linie der damaligen „Stadtmauer“, welche am „Haupteingang“ z.T. nachgebaut worden ist. Der Weg führt fast ausschließlich durch schönen Laubwald. Am Ende des Plateaus bietet ein Aussichtspunkt eine wunderbare Fernsicht über das Morvan. Sogar die Kathedrale von Autun kann man in der Ferne sehen! Über das Plateau verteilt waren dann einige Ausgrabungsstellen zu besichtigen, hier fand ich vor allem das Übereinander der Gebäude aus verschiedenen Zeiten beeindruckend.

Nach diesem letzten Höhepunkt in Sachen Kelten fuhr ich weiter zum Stausee Lac du Pannecière-Chaumard. Dort wolle ich ursprünglich zwei Nächte auf dem Campingplatz bleiben und „richtig Urlaub“ machen ;-), aber die Sanitäranlagen waren mir dann doch etwas zu rustikal. So blieb ich nur eine Nacht dort. Immerhin war das die günstigste Übernachtung. 🙂 Wieder zuhause stellte ich fest, dass ich irgendwann mal einen ganz anderen Campingplatz ausgesucht hatte. Beim nächsten Mal 🙂

Gefahrene Kilometer:
53

Übernachtung:
Camping du Lac
58120 Montigny-en-Morvan
GPS: 47.156082, 3.873900 oder 47°09’21.9″N 3°52’26.0″E

Preis:
7,12 €

alternativ (allerdings nicht direkt am See):
Camping Les Soulins
lieu-dit Les Soulins
58120 Corancy
GPS: 47.117617, 3.932718 oder 47°07’03.4″N 3°55’57.8″E

Sonntag, 11. Juni

Das nächste Ziel, Vézelay, musste ich einfach nochmal ansteuern, ich war dort bereits ein Mal im Rahmen einer Gruppen-Busreise. (Tipp: die Studienreisen von Rotel sind sehr interessant! Aber man darf nicht klaustrophobisch veranlagt sein …) Der Ort bzw. seine großartige Kirche faszinieren mich derart, dass ich nicht umhin konnte, auch dieses Mal dort zu halten. Unterwegs entdeckte ich aber zunächst noch ein wunderschönes Feld voller Klatschmohn.

Bevor ich auf den Hügel, auf dem der Pilgerort Vézelay liegt, fuhr, hielt ich noch in dem Ort zu Füßen desselben: St-Père-sous-Vézelay. Auch hier gibt es eine hübsche Kirche. Für diesen sehr kleinen Ort sogar eine sehr beeindruckende Kirche gotischen Baustils. Sie erinnerte mich optisch an die Basilika oben auf dem Hügel, obwohl diese hauptsächlich romanisch ist.

Sehr nett fand ich dieses Schild des ortsansässigen Holzschuhmachers:

Ganz unten steht (für diejenigen unter uns, die kein Französisch parlieren 🙂 ): „Eintritt frei für Leute, die Guten Tag sagen“ 😀

Nach nicht mal fünf Minuten Fahrt parkte ich dann mein Auto nicht weit vom historischen Stadtzentrum von Vézelay.

Vézelay ist ein wichtiger Pilgerort, hier wurden die (angeblichen) Gebeine der Heiligen Maria Magdalena bewahrt. Entsprechend dem Status der Heiligen wurde im 11./12. Jahrhundert eine für die Pilgermassen ausreichend große und schöne Basilika gebaut. 1146 rief der Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux von hier aus zum Zweiten Kreuzzug auf. Beim Dritten Kreuzzug sammelten sich hier 1190 die englischen Ritter unter Richard Löwenherz. Auch heute noch kann man nach oder durch Vézelay pilgern, ist es doch eine wichtige Station des Jakobswegs.

Mit Picknick in der Tasche ging ich zielstrebig durch den Ort, hinter die großartige Basilika. Dort gibt es eine große Terrasse mit schönen Bäumen und einer tollen Sicht über das Morvan. Hier muss man unbedingt eine Ruhepause einlegen! So gestärkt ging es zur Besichtigung der Kirche. Diesmal aber nach meinem Zeitplan! 🙂

Die Basilika Sainte-Marie-Madeleine ist eine der schönsten romanischen Kirchen, die ich je gesehen habe. Die besondere Lichtwirkung im Inneren ergibt sich durch die dunkle Vorhalle, das nur wenig hellere Hauptschiff im romanischen Stil und im Kontrast dazu den lichtdurchfluteten, fast weißen Chor im frühgotischen Stil. Man geht wirklich vom Dunkeln ins Licht, ein Pfad der wortwörtlichen Erleuchtung. (Die innere Erleuchtung lässt bis heute auf sich warten. 😀 ) Bei meinem ersten Besuch war ich einfach nur sprachlos. Dieses Mal habe ich mehr auf die Details geachtet, die hübschen Schmuckbänder aus Stein, die Figurenkapitelle, die dezente Farbgebung. In der Vorhalle gibt es ein sehr detailreiches und phantasievoll gearbeitetes Tympanon, hier hilft ein Fernglas bei der Betrachtung.

Leider war ich nicht mehr lange genug vor Ort, um die Nonnen singen zu hören, der Gesangsgottesdienst war erst abends.

Nach der Besichtigung spazierte ich noch durch den Ort, auf der Hauptstraße kam mir ein fröhlich singendes Pilgerpärchen entgegen. Da muss man einfach freudig zurücklächeln!

Mein Ziel für diesen Tag war Avallon. Die Anfahrt zum Campingplatz war kompliziert und gefühlt ewig lang, aber lohnte sich. Es ist ein schöner Platz unterhalb einer Felswand, sehr ordentlich, mit modernen Sanitäranlagen und sehr netten Mitarbeitern. Zum Abendessen ging ich in die Altstadt, die fußläufig gut erreichbar ist – und auf einem Hügel liegt. Also mal wieder kraxeln. Die Auswahl bei den Restaurants war seltsamerweise nicht riesig, schlussendlich landete ich im wohl besten Hotel-Restaurant der Stadt: „Le 7eme“, früher Hostellerie de la Poste, wo schon Napoleon I. 1815 auf seinem Weg von Elba nach Paris übernachtet hat. Hier ließ ich es mal richtig krachen und bestellte ein Drei-Gänge-Menü, Wein und Mineralwasser, summa summarum für knapp 50 €. Es schmeckte sehr gut und ich fühlte mich sehr zuvorkommend bedient – was nicht immer so ist, wenn man allein reist. Aber bei dem Preis durfte ich das wohl auch erwarten.

Mein Menü bestand aus Melone mit Schinken als Vorspeise, einem „Salade Perigourdine“ als Hauptgang und als Dessert einem Stück Kuchen mit Cassis. Bei dem Salat war auch Foie Gras dabei, es gibt kaum etwas Typischeres für Frankreich. Die „Leberwurst“ schmeckte gut, aber nachdem ich zuhause recherchiert hatte, wie sie hergestellt wird, war ich entsetzt und werde nie wieder Foie Gras bestellen (auf Deutsch nennt man dieses Produkt Gänsestopfleber). Leider ist den Franzosen hier die Tradition wichtiger als das Tierwohl.

Restaurant „Le 7eme“
13, place Vauban
89200 Avallon

Gefahrene Kilometer:
67

Übernachtung:
Camping Municipal de Sous-Roche***
Rue Sous Roche
89200 Avallon
GPS: 47.479891, 3.912787 oder 47°28’47.6″N 3°54’46.0″E

Preis:
14,40 €

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.