Burgund 2017 – 4. Teil: Von Avallon nach Bruttig-Fankel

Montag, 12. Juni

Wer sich ständig Klöster und Burgen des Mittelalters anguckt, kommt um eine besondere Sehenswürdigkeit in Frankreich nicht herum: die Burgbaustelle von Guédelon. Dorthin führte mich meine Route heute.

In einem Waldgebiet mit Steinbruch und See wird seit zwanzig Jahren mit mittelalterlichen Methoden eine Burg des 12. Jahrhunderts gebaut. Es ist ein Projekt experimenteller Archäologie, das durch Experten begleitet wird und schon manche neue Erkenntnis gebracht hat. Man kann den Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen und Fragen stellen. Sehr anschaulich wird einem hier bewusst, was es alles braucht, um eine Burg zu bauen. Für Kinder ein riesiger Abenteuerspielplatz. Man kann auch Workshops mitmachen, z.B. mal versuchen, ob man als Steinmetz sein Brot verdienen könnte. Auch wurde eine wasserbetriebene Getreidemühle nach einem Fund im französischen Jura aus dem 12. Jahrhundert nachgebaut.

Hier wollte ich schon seit Jahren hin, nun klappte es also endlich. Und ich wurde nicht enttäuscht – ich tauchte in eine völlig andere Welt ein. So schlicht die Burg auch sein mag, finde ich sie doch wunderschön. Die Steine leuchten in einer ungewöhnlich gelb-roten Farbe. Den Steinmetzen war anzusehen, dass sie harte Arbeit leisten. Mit einem unterhielt ich mich kurz über seine Arbeit, was aber recht schwierig war, denn meine Französischkenntnisse sind nicht so detailliert, dass ich die technischen Begriffe verstehen könnte. Er hatte zwar eine Liste mit englischen Übersetzungen, aber die half mir auch nicht wirklich. Naja, egal, trotzdem ein netter Plausch! 😉

Man kann auf dem Gelände gut und gerne einen ganzen Tag verbringen, es gibt natürlich auch Gastronomie. Ich hatte wieder ein Picknick im Rucksack dabei. Während meines Besuchs waren auch viele Schulklassen auf der Burgbaustelle, was in manchen Innenräumen der Burg fast einen Hörsturz meinerseits zur Folge hatte. 😀

Der Eintritt ist mit 14 € recht hoch, Kosten für Workshops kommen oben drauf. Man kann ein wenig sparen, wenn man sein Ticket vorab im Internet bestellt, dann kostet es nur 12 € (Stand 2017). Mir war es das letztendlich trotzdem wert. Und ich werde irgendwann nochmal wiederkommen, bevor die Burg in zehn oder fünfzehn Jahren fertig ist.

Eigentlich wollte ich in St-Saveur-en-Puisaye einen Campingplatz beziehen, der war jedoch inzwischen geschlossen. So fuhr ich ein gutes Stück weiter nach Vincelles. Zum Glück! Dieser kleine Platz direkt an einem Kanal war einer der besten meiner Tour. Bei vier Sternen darf man aber auch was erwarten! 😉 Über den Platz verteilt gibt es mehrere kleine Sanitärgebäude, der Platz ist ab und zu durch Hecken unterteilt und viele hohe Bäume spenden Schatten.

Zum Abendessen ging ich am Kanal entlang zu einer Crêperie, wo ich mir eine bretonische Galette (Buchweizencrêpe mit herzhaftem Belag) und Cidre schmecken ließ. Dieses Mahl toppte sämtliche Drei-Gänge-Menüs! Superlecker, hübsch arrangiert und in einem tollen Ambiente, auf einer Terrasse direkt an der Yonne.

Crêperie – Brasserie – Glaces
„Le Lavoir“
2 Ter rue de l’Yonne
89290 Vincelles
GPS: 47.702240, 3.636234 oder 47°42’08.1″N 3°38’10.4″E

Gefahrene Kilometer:
148

Übernachtung:
Camping „Les Ceriselles“****
Route de Vincelottes
89290 Vincelles
GPS: 47.706813, 3.635475 oder 47°42’24.5″N 3°38’07.7″E

Preis:
16,70 €

Dienstag, 13. Juni

Die erste Station des Tages war wieder nicht weit entfernt, nur knapp eine Viertelstunde Fahrt war es bis in die Innenstadt von Auxerre. Dieses hübsche Städtchen liegt direkt an der Yonne und hat eine schöne Promenade am Fluss. Im Stadtkern findet man adrette, bunte Fachwerkhäuser und großartige Kirchenbauten. Aber auch wer gerne shoppt, kommt hier auf seine Kosten. Ich war alles in allem total überrascht von Auxerre, hatte mir nichts großartiges vorgestellt. Aber das Flair hat mir einfach gut gefallen!

Die ältesten Fresken Frankreichs in der Abbaye St-Germain konnte ich leider nicht besichtigen – dienstags ist die Abtei geschlossen. Dafür kam ich in der Kathedrale St-Étienne voll auf meine Kosten – schönste Gotik!

Nun folgte die letzte Besichtigung in puncto Kloster: die Abteikirche von Pontigny. Richtig, wieder eine ehemalige Zisterzienserabtei! 😀

Die 1114 gegründete Abtei erhielt ab 1140 eine Abteikirche in frühgotischem Stil. Auch dieser Bau ist geprägt von einem einfachen Stil, das Besondere hier ist die enorme Helligkeit, die durch die vielen Fenster ins Hauptschiff dringen kann.

Ich hatte mich sehr auf Pontigny gefreut – und war dann in der Kirche erstmal baff: mitten im Hauptschiff steht ein dunkelbraunes barockes Ungetüm von Chorgestühl, das dem wunderbaren Raum seine Weite nimmt und das herrliche Licht einfach schluckt. Ich war (und bin es immernoch) maßlos enttäuscht!

Am frühen Nachmittag erreichte ich meine nächste Übernachtungsstation, Migennes. Diese lag einfach verkehrsgünstig. Der Campingplatz ist übersichtlich, hat moderne Sanitäranlagen und eine Snack-Bar. Hier nahm ich dann nach einem geruhsamen Nachmittag das Abendessen ein und sah anderen Gästen beim Boule spielen zu.

Gefahrene Kilometer:
55

Übernachtung:
Camping Municipal „Les Confluents“***
Allée Léo Lagrange
89400 Migennes
GPS: 47.956487, 3.509479 oder 47°57’23.4″N 3°30’34.1″E

Preis:
9,15 €

Mittwoch, 14. Juni

Bereits heute erreichte ich die letzte offizielle Besichtigungsstation, ich hatte wohl am Anfang zu viel zu schnell „abgearbeitet“. In Sens wartete noch eine großartige Kathedrale auf mich.

Die Kathedrale von Sens ist eine der ersten in gotischem Baustil und wirkt trotzdem wie eine Vollendung des Stils. Besonders sehenswert sind die Fenster aus dem 13. Jahrhundert, die durch Tafeln genau erklärt werden.

An gotischen Kirchen kann ich mich kaum sattsehen. 🙂 Es ist jedes Mal erstaunlich, wie der Blick automatisch nach oben gelenkt wird. Die bunten Fenster schimmern wie Juwelen und verraten so den theologischen Zweck dieser Bauten: das himmlische Jerusalem auf die Erde zu holen, so wie es in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird.

Nach diesem schönen Abschluss fuhr ich nun wieder direkt nach Osten, Richtung Heimat. Die Rückreise unterteilte ich in angenehm kurze Etappen, das Positive daran, dass ich noch so viel Zeit „übrig“ hatte. Es ging durch die Champagne nach Soulaines-Dhuys. Dort kannte ich den Campingplatz bereits. Vor acht Jahren war dies eine Übernachtungsstation auf einer Rotel-Reise. Der Platz liegt direkt hinter der Dorfkirche, meist unter Bäumen. Der Ort an sich ist auch sehr hübsch, mit einer alten Kapelle ganz aus Holz und einem alten Waschplatz. Hier ließ ich dann einfach mal die Seele baumeln.

Auf dem Campingplatz gibt es eine kleine Snack-Bar und einen Swimmingpool. Die Sanitäranlagen sind erst vor Kurzem modernisiert worden und sind optisch ein echtes Highlight. Der neue Besitzer ist Holländer und spricht super Deutsch!

Gefahrene Kilometer:
191

Übernachtung:
Camping „La Croix Badeau“
6 rue de la croix badeau
10200 Soulaines Dhuys
GPS: 48.376696, 4.738412 oder 48°22’36.1″N 4°44’18.3″E

Preis:
14,75 €

Donnerstag, 15. Juni

Heute ging es weiter über Landstraßen durch die Champagne, dann nach Lothringen und schließlich schloss ich den Kreis in Toul, wo ich dieses Mal aber nicht anhielt. An der Mosel entlang fuhr ich weiter Richtung Luxemburg, wollte aber noch eine letzte Nacht in Frankreich verbringen. In Malling fand ich einen Campingplatz direkt an der Mosel. Sommertags gibt es hier anscheinend richtigen Badebetrieb, es gibt auch einen kleinen See. Die Sanitäranlagen sind dementsprechend zahlreich dimensioniert und völlig in Ordnung. Nach der langen Fahrt entspannte ich hier und verharrte im Auto, als ein kräftiges Gewitter über mich hinweg zog.

Gefahrene Kilometer:
216

Übernachtung:
Camping Municipal de Malling
Rue du Plan d’Eau
57480 Malling
GPS: 49.426249, 6.300212 oder 49°25’34.5″N 6°18’00.8″E

Preis:
9,22 €

Freitag, 16. Juni

Nun war der Tag gekommen, „Au revoir“ zu sagen und Frankreich wieder zu verlassen 🙁 Aber ich werde ja wieder kommen! 🙂 Weiterhin an der Mosel entlang ging es zunächst nach Luxemburg, nochmal günstig den Tank vollmachen und dann nach Deutschland. Der von mir ausgeguckte Campingplatz in Zell an der Mosel war leider total überfüllt (was will man erwarten in der Hochsaison 🙂 ). Deshalb wich ich auf den Platz in Bruttig-Fankel aus. Den kannte ich ebenfalls bereits. An der Mosel bin ich fast jedes Jahr einmal, mal im Sommer, mal im Herbst. Der Platz liegt  direkt am Fluss, die Sanitäranlagen sind recht neu und hochwassergeschützt und im Ort gibt es eine reichliche Auswahl an Gastronomiebetrieben. Nach einem vertrödelten Nachmittag ging ich abends im Ort essen. Die Pfeffermühle ist ein Familienbetrieb, in dem es an dem Abend echt brummte. Ich konnte noch so eben einen Katzentisch für mich erobern. Das Essen war lecker und die Wirtin sehr nett, trotz des hohen Stresspegels.

Restaurant „Pfeffermühle
Himpfenstraße 5
56814 Bruttig-Fankel

Gefahrene Kilometer:
202

Übernachtung:
Campingplatz Bruttig-Fankel
Am Moselufer 24
56814 Bruttig-Fankel
GPS: 50.132597, 7.230221 oder 50°07’57.4″N 7°13’48.8″E

Preis:
9,35 €

Samstag, 17. Juni

Die letzte Etappe! Ich wollte zeitig zuhause ankommen und fuhr deshalb schon früh los. Zur Mittagsstunde war ich wieder daheim.

Gefahrene Kilometer:
165

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